Schulthess Forum
Strafprozessordnung 2026
Digitale Beweismittel
Digitale Beweismittel
Digitale Beweismittel spielen in Strafverfahren eine immer bedeutendere Rolle. Die mittlerweile alltäglichen Ermittlungsmassnahmen wie die Sicherstellung und Durchsuchung von Datenträgern sowie Recherchen über wie Google, PimEyes, Facebook, X oder andere öffentlich zugängliche Medien bewegen sich im Spannungsfeld von verfassungs- und konventionsrechtlichen Schranken, die den Schutz der Privatsphäre gewährleisten sollen, und dem staatlichen Strafanspruch sowie dem öffentlichen Strafverfolgungsinteresse. Die rechtliche Einordnung und Beurteilung der angewandten Ermittlungsmethoden, der Beweiserhebung, -sicherung und die Verwertbarkeit der daraus gewonnenen Erkenntnisse sind immer häufiger zentrales Thema in Strafverfahren und Gegenstand kontroverser Diskussion über die Balance von Effizienz und Rechtsstaatlichkeit des Strafverfahrens. Aktuelle Entscheide zum (internationalen) Datenaustausch zeigen, wie anspruchsvoll die sich in einem stetigen Fluss bewegenden Fragen sowohl in tatsächlicher als auch rechtlicher Hinsicht sind. Der Fall des SkyECC‑Hacks verdeutlicht exemplarisch, wie stark digitale Beweise Individualrechte berühren können, wenn der Zugriff auf verschlüsselte Kommunikation plötzlich zu umfassenden Auswertungen von internationaler Tragweite führt.
Digitale Ermittlungen und der Datenaustausch zwischen Behörden und deren rechtliche Überprüfung durch betroffene Personen bilden einen dynamischen Bereich, in dem technischer Fortschritt, rechtliche Leitplanken und gesellschaftliche Erwartungen ständig neu aufeinander abgestimmt werden müssen.
Am Schulthess Forum Strafprozessordung 2026 treffen sich in Bern am Strafverfahren Beteiligte von Gerichten, Strafverfolgung sowie Verteidigung und Privatklägervertretern, um offen und kontrovers über die weiteren Entwicklungen und die beweisrechtliche Realität zu diskutieren. Die sich aktuell stellenden Herausforderungen werden aus den unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Nutzen Sie den Tag zu einem Austausch mit allen Beteiligten.
Ihr Vorteil
- Offene Debatte mit allen beteiligten Parteien
- Perspektivwechsel zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht
- Diskussion zu den möglichen Entwicklungen
- Austausch unter Kolleginnen und Kollegen im Plenum und am Rande der Tagung
Zielpublikum
- Strafverfolgungsbehörden
- Strafverteidigerinnen, Strafverteidiger
- Richterinnen, Richter
- Gerichtsschreiberinnen, Gerichtsschreiber
- Lehre und Forschung
- Politik und politische Institutionen
Kurzprogramm
- Sicherstellung und Durchsuchung von Datenträgern im Strafprozessrecht: Verfassungs- und konventionsrechtlicher Rahmen
- Internetsperren gestützt auf die Normen zur Beschlagnahme und zur Einziehung: Funktioniert das?
- Google, PimEyes & Co: Open Source-Ermittlungen durch Strafverfolgungsbehörden
- Streitgespräch: Digitale Beweiserhebung
- Kurze Einführung und aktuelle Entscheide zum Datenaustausch
- Das Spannungsfeld digitaler Beweise zwischen Rechtsstaatlichkeit und Individualrechten am Beispiel des SkyECC-Hacks
- Digitale Ermittlung / Datenaustausch zwischen den Ermittlungsbehörden
Detailprogramm öffnen
08:30 - 09:00 Begrüssungskaffee |
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| 09:0009:05 |
Begrüssung durch die TagungsleitungThomas Held und Konrad Jeker
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| 09:0509:50 |
ReferatSicherstellung und Durchsuchung von Datenträgern im Strafprozessrecht: Verfassungs- und konventionsrechtlicher Rahmen
Dr. Arthur Brunner
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| 09:5010:35 |
ReferatInternetsperren gestützt auf die Normen zur Beschlagnahme und zur Einziehung: Funktioniert das?
Prof. Dr. Simon Schlauri
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10:35 - 11:00 Kaffeepause |
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| 11:0011:45 |
ReferatGoogle, PimEyes & Co: Open Source-Ermittlungen durch Strafverfolgungsbehörden
Giulia Canova
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| 11:4512:30 |
StreitgesprächDigitale BeweiserhebungDr. Arthur Brunner, Giulia Canova und Prof. Dr. Simon Schlauri, moderiert von Konrad Jeker
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12:30 - 13:30 Mittagessen |
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| 13:3014:00 |
ReferatKurze Einführung und aktuelle Entscheide zum DatenaustauschThomas Held und Konrad Jeker
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| 14:0014:45 |
ReferatDas Spannungsfeld digitaler Beweise zwischen Rechtsstaatlichkeit und Individualrechten am Beispiel des SkyECC-Hacks
Dominique Jud
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14:45 – 15:15 Kaffeepause |
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| 15:1516:00 |
ReferatDigitale Ermittlung / Datenaustausch zwischen den Ermittlungsbehörden
Stephan Walder
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| 16:0016:30 |
DiskussionQuo Vadis?
Konrad Jeker, Dominique Jud und Stephan Walder moderiert von Thomas Held
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Fazit und VerabschiedungThomas Held und Konrad Jeker
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Referierende
Thomas Held
Ass. iur., Rechtsanwalt, Kanzlei Held
Nach Erlangung des 2. Juristischen Staatsexamens am Oberlandesgericht Bremen arbeitete Thomas Held ab 2005 zunächst mehrere Jahre in einer führenden Wirtschaftskanzlei in Genf. Anschliessend war er Gerichtsschreiber in der Strafkammer des Bundesstrafgerichts. Ab 2012 war er in gleicher Funktion und als Präsidialgerichtsschreiber in der I. Strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts in Lausanne tätig. 2021 nahm Thomas Held seien Tätigkeit als Anwalt wieder auf und arbeitete rund drei Jahre in einer auf Strafrecht spezialisierten Kanzlei, bevor er sich 2024 selbständig machte und die Kanzlei Held gründete. Thomas Held referiert regelmässig an Fortbildungen, namentlich zur Strafzumessung und strafprozessualen Fragen. Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit ist Thomas Held Lehrbeauftragter für Strafprozessrecht an der Universität Basel.
Konrad Jeker
lic. iur., M.B.L.-HSG, Rechtsanwalt, Gressly Rechtsanwälte
Konrad Jeker ist Rechtsanwalt und Fachanwalt SAV Strafrecht. Er praktiziert seit 25 Jahren als Strafverteidiger mit Schwerpunkt Wirtschaftsstrafrecht in der deutschsprachigen Schweiz. Er publiziert regelmässig in Fachzeitschriften und referiert an Fachhochschulen und Universitäten. Er betreibt den Blog «strafprozess.ch» und ist Mitherausgeber der Zeitschrift forumpoenale.
Dr. Arthur Brunner
Dr. iur., Rechtsanwalt, Verwaltungsgerichtspräsident, Verwaltungsgericht, Kanton St.Gallen
Nach Stationen in Advokatur und Justiz ist Arthur Brunner seit 2023 Richter am Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen, das er seit 2025 auch präsidiert; seit 2024 ist er ausserdem nebenamtlicher Bundesrichter mit Zuteilung zur II. strafrechtlichen Abteilung. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit betätigt sich Arthur Brunner auch wissenschaftlich (mit Schwerpunkten im Verfahrensrecht und in der Justizforschung). Zuletzt ist von ihm erschienen: «Polizeirecht – Rechtliche Grundlagen der polizeilichen Tätigkeit in der Schweiz» (Bern 2026, mit Regina Kiener und Benjamin Schindler).
Giulia Canova
M.A. Law and Economics, Wissenschaftliche Assistentin & Doktorandin, Kompetenzzentrum für Strafrecht und Kriminologie, Universität St.Gallen
Giulia Canova hat an der Universität St. Gallen Law and Economics studiert. Sie ist seit 2019 am Kompetenzzentrum für Strafrecht und Kriminologie der Universität St. Gallen tätig, zunächst als studentische Mitarbeiterin und seit ihrem Studienabschluss 2023 als wissenschaftliche Assistentin/Doktorandin. Sie forscht im Projekt „Smart Criminal Justice“ zur strafprozessrechtlichen Regulierung von digitalen Ermittlungen und promoviert in dem Bereich. Im Rahmen ihres Doktoratsstudiums war sie im Jahr 2025 als Gastforscherin an den Universitäten Leiden und Wien.
Dominique Jud
lic.iur. Rechtsanwältin, Advokatur Ankerstrasse
Dominique Jud ist eine in Zürich tätige Strafverteidigerin mit langjähriger Erfahrung im Straf- und Strafprozessrecht. Sie verfügt über ein abgeschlossenes Jurastudium der Universität Basel aus dem Jahr 2006 sowie über eine vertiefte kriminologische Weiterbildung am Max-Planck-Institut in Freiburg im Breisgau. Seit 2009 besitzt sie das Schweizer Anwaltspatent und erlangte später zusätzlich den Titel der Fachanwältin SAV Strafrecht. Seit 2013 arbeitet sie in der Advokatur Ankerstrasse in Zürich als selbständige Rechtsanwältin, wo sie ausschliesslich die Rechte von beschuldigten Personen in Strafverfahren vertritt. Ihr fallunabhängiges Engagement betrifft weiter die Entflechtung des rigiden Haftsystems in der Schweiz. Darüber hinaus wirkt sie über die Landesgrenzen hinweg in Fachgremien wie dem Joint Defense Team, einer internationalen Vereinigung von Strafverteidigerinnen und Strafverteidigern. Publizistisch ist sie unter anderem durch ihre Mitarbeit am Ratgeber „Strafuntersuchung – was nun?“ sowie durch Beiträge zu Untersuchungshaft und zum Zürcher Mehrphasenmodell in Podcasts präsent. Sie hält laufend Vorträge und Workshops an Fachforen
Prof. Dr. Simon Schlauri
Rechtsanwalt, Partner, Ronzani Schlauri Anwälte
Rechtsanwalt Prof. Dr. Simon Schlauri ist seit 2012 Partner der auf Technologie- und Informationsrecht spezialisierten Anwaltsboutique Ronzani Schlauri Anwälte mit Büros in Zürich und St. Gallen. Von 2009 bis 2012 war Schlauri als Inhouse-Jurist für ricardo.ch AG und für Sunrise tätig. Zuvor arbeitete er für fünf Jahre als Oberassistent für Handels- und Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich. Simon Schlauri studierte von 1993 bis 1998 in Zürich Rechtswissenschaften. 2002 schloss er seiner Dissertation zum Thema „Elektronische Signaturen“ ab. Im Jahr 2004 folgte das Zürcher Anwaltspatent. 2010 habilitierte sich Schlauri zum telekommunikationsrechtlichen Thema „Netzneutralität“. 2016 wurde er durch die Universität Zürich zum Titularprofessor ernannt. Von 2022 bis 2025 war er zudem Lehrbeauftragter für Internet und Recht an der Universität St. Gallen.
Stephan Walder
lic.iur., Staatsanwalt, Leiter Digitale Transformation, Chief Digital Officer, Oberstaatsanwaltschaft Direktion der Justiz und des Innern Kanton Zürich
Stephan Walder studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich und absolvierte diverse Praktika an Gerichten etc. bis er 2007 zum Staatsanwalt ernannt wurde. Nach Tätigkeit an regionalen Amtsstellen in Winterthur und Uster folgte die Vollspezialisierung auf Cybercrime-Strafverfolgung. Ab 2012 war er am Aufbau beteiligt und schliesslich staatsanwaltschaftlicher Leiter des Kompetenzzentrums Cybercrime in Zürich, ab 2017 stellvertretender Leiter der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich. Seit 2023 ist er Leiter digitale Transformation / Chief Digital Officer an der Oberstaatsanwaltschaft. Zu dieser Funktion führte u.a. auch seine langjährige berufsbegleitende Mitarbeit in diversen grösseren IT-Projekten auf Kantons- und Bundesebene. Er wurde 2025 zum Vorstandsvorsitzenden von HIS Schweiz gewählt und ist Mitglied im Steuerungs-Ausschuss der Nationalen Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyberrisiken. Als Nebenerwerbstätigkeit unterrichtet er an diversen Hochschulen im Bereich Cybercrime.
für Fachanwälte und Fachanwältinnen SAV Strafrecht
Termin / Format
07.05.2026 | 09:00 - 17:00
Strafprozessordnung | Tagungen
Location / Anreise
Schweizerhof Bern
Bahnhofplatz 11
3011 Bern
Tagungsleitung

Konrad Jeker und Thomas Held führen durch die Tagung
Impressionen





